Pestalozzischule Celle
Lernen unterstützen - Chancen entwickeln - Beziehungen aufbauen

Entwicklungstherapie / Entwicklungspädagogik (ETEP)

An unserer Schule haben zahlreiche Kolleg*innen eine einjährige, zertifizierte Zusatzausbildung als entwicklungs-therapeutische Entwicklungspädagogen (ETEP) absolviert.


ETEP ist ein pädagogisches und wissenschaftlich wirksames Konzept von M.M. Wood und M. Bergsson, das auf der Theorie der kindlichen Entwicklung in aufeinander aufbauenden Stufen basiert. Jede Stufe ist dabei etwa dreijährig angelegt und wird mit einem übergeordneten Entwicklungsziel abgeschlossen, welches über mehrere Teilziele erreicht wird. Bedingend dafür ist eine personelle sowie sachliche (Lern-) Umgebung, die das Erreichen bzw. „Trainieren“ dieser Ziele ermöglicht. 


Schüler*innen mit dem Förderbedarf emotional-soziale Entwicklung haben dazu in ihrer Biografie in der Regel keine ausreichenden Bedingungen vorgefunden. Das bedeutet, dass sie bereits zurückliegende Entwicklungsstufen nicht erfolgreich abschließen konnten und – da alle Ziele und Teilziele aufeinander aufbauen – nicht das Verhalten zeigen können, dass ihrer altersgemäßen Entwicklungsstufe und somit den an sie gestellten Erwartungen entspricht.

Häufige Misserfolgserlebnisse als Spiegelung der nicht erfüllten Erwartungen sind die Folge – und auffälliges Verhalten in Form von Verweigerung, sich entziehen, opponieren etc. ist die Reaktion und wird im System Schule als störend und unangepasst wahrgenommen.

EPU, der Unterricht, der auf diesem Konzept basiert, hat nun die Aufgabe, diesen Kreislauf aus Misserfolg und störendem Verhalten zu durchbrechen.

Dazu wird zunächst mithilfe des ELDiB, des zum Konzept gehörenden Testmaterials, der Entwicklungsstand des jungen Menschen festgestellt. Auf dieser Grundlage wird ermittelt, welche Entwicklungsziele bereits erreicht wurden und welche als nächstes trainiert werden können. Es wird ein dazu passender Unterrichtsinhalt gewählt und auch das Wirken der pädagogischen Fachkraft wird der Entwicklungsstufe angepasst. In der Regel kann man davon ausgehen, dass sich die Schüler in mindestens einer, häufig aber zwei oder sogar drei Stufen unter der Entwicklungs-stufe befinden, die ihrem biologischen Alter entspricht.

Oberstes Ziel ist das Vermeiden von Misserfolg.


Misserfolg wird laut Wood/Bergsson 100 mal stärker wahrgenommen 
als Erfolg und hat keinen motivierenden Charakter.

Schüler mit dem Förderbedarf ESE haben kaum Erfahrung mit eigenem Erfolg. Sie müssen oft erst einmal an die Wahrnehmung des eigenen Erfolgs herangeführt werden. Dies gelingt – neben einer entsprechenden didaktisch- methodischen Auswahl – durch drei wesentliche Interventionsstrategien:


  • Positives Spiegeln (Ich sehe, du trainierst gerade erfolgreich das Ziel „ich warte, bis ich an der Reihe bin“.)
  • Umlenken (Das ist eine sehr lange Aufgabe, und du hast schon die Hälfte geschafft. Das ist ganz toll! (+ Hinweis auf ein gleichzeitig trainiertes Ziel, das nichts mit der Aufgabe zu tun hat) Nimm dir jetzt eine kurze Auszeit.)
  • Ablenken (Heute ist es sehr unruhig und das Rechnen fällt schwer. Magst du einmal den Papiermüll raus-bringen?)


Beispiel für das positive Spiegeln am Ende einer ETEP-Stunde:


Diese Ziele wurden während der ETEP-Stunde trainiert.









Jede(r) legt einen Edelstein auf jedes Ziel, das er/ sie trainiert hat.









Weitere wesentliche Grundsätze für die Arbeit mit dem ETEP-Konzept sind:

  • Richten Sie den Blick auf Stärken.
  • Sichern Sie Freude und Erfolg.
  • Sorgen Sie für relevante Erfahrungen.
  • Folgen Sie der Entwicklungslogik.


Literatur:

BERGSSON, M. (2006): Entwicklungspädagogik im Klassenunterricht – eine Handreichung. (Reihe: Praxis der Entwicklungstherapie, hrsg. von Bergsson, M./Döller-Fleiter, L., Bd. 5) Düsseldorf: Bergsson-Billing-Wiedenhöft-Verlag


BERGSSON, M./Holze, A. (2011): Ziele-Arbeit im entwicklungspädagogischen Unterricht. (Reihe: Praxis der Entwicklungstherapie, hrsg. von Bergsson, M./Döller-Fleiter, L., Bd. 6) Mönchengladbach: Bergsson-Billing-Wiedenhöft-Verlag