Entwicklungstherapie / Entwicklungspädagogik (ETEP)
An unserer Schule haben zahlreiche Kolleg*innen eine einjährige, zertifizierte Zusatzausbildung als entwicklungs-therapeutische Entwicklungspädagogen (ETEP) absolviert.
Schüler*innen mit dem Förderbedarf emotional-soziale Entwicklung haben dazu in ihrer Biografie in der Regel keine ausreichenden Bedingungen vorgefunden. Das bedeutet, dass sie bereits zurückliegende Entwicklungsstufen nicht erfolgreich abschließen konnten und – da alle Ziele und Teilziele aufeinander aufbauen – nicht das Verhalten zeigen können, dass ihrer altersgemäßen Entwicklungsstufe und somit den an sie gestellten Erwartungen entspricht.
Häufige Misserfolgserlebnisse als Spiegelung der nicht erfüllten Erwartungen sind die Folge – und auffälliges Verhalten in Form von Verweigerung, sich entziehen, opponieren etc. ist die Reaktion und wird im System Schule als störend und unangepasst wahrgenommen.
EPU, der Unterricht, der auf diesem Konzept basiert, hat nun die Aufgabe, diesen Kreislauf aus Misserfolg und störendem Verhalten zu durchbrechen.
Dazu wird zunächst mithilfe des ELDiB, des zum Konzept gehörenden Testmaterials, der Entwicklungsstand des jungen Menschen festgestellt. Auf dieser Grundlage wird ermittelt, welche Entwicklungsziele bereits erreicht wurden und welche als nächstes trainiert werden können. Es wird ein dazu passender Unterrichtsinhalt gewählt und auch das Wirken der pädagogischen Fachkraft wird der Entwicklungsstufe angepasst. In der Regel kann man davon ausgehen, dass sich die Schüler in mindestens einer, häufig aber zwei oder sogar drei Stufen unter der Entwicklungs-stufe befinden, die ihrem biologischen Alter entspricht.
Oberstes Ziel ist das Vermeiden von Misserfolg.
- Positives Spiegeln (Ich sehe, du trainierst gerade erfolgreich das Ziel „ich warte, bis ich an der Reihe bin“.)
- Umlenken (Das ist eine sehr lange Aufgabe, und du hast schon die Hälfte geschafft. Das ist ganz toll! (+ Hinweis auf ein gleichzeitig trainiertes Ziel, das nichts mit der Aufgabe zu tun hat) Nimm dir jetzt eine kurze Auszeit.)
- Ablenken (Heute ist es sehr unruhig und das Rechnen fällt schwer. Magst du einmal den Papiermüll raus-bringen?)
Weitere wesentliche Grundsätze für die Arbeit mit dem ETEP-Konzept sind:
- Richten Sie den Blick auf Stärken.
- Sichern Sie Freude und Erfolg.
- Sorgen Sie für relevante Erfahrungen.
- Folgen Sie der Entwicklungslogik.
Literatur:
BERGSSON, M. (2006): Entwicklungspädagogik im Klassenunterricht – eine Handreichung. (Reihe: Praxis der Entwicklungstherapie, hrsg. von Bergsson, M./Döller-Fleiter, L., Bd. 5) Düsseldorf: Bergsson-Billing-Wiedenhöft-Verlag
BERGSSON, M./Holze, A. (2011): Ziele-Arbeit im entwicklungspädagogischen Unterricht. (Reihe: Praxis der Entwicklungstherapie, hrsg. von Bergsson, M./Döller-Fleiter, L., Bd. 6) Mönchengladbach: Bergsson-Billing-Wiedenhöft-Verlag

